Vita
3800 Gramm bei 52 cm – welch Traummaße!
Am 15.09.1974 besaß ich sie noch.
Noch bevor ich zur Grundschule ging, konnte ich meinen Namen schreiben und auch bis 5 zählen. Welch’ steile Karrierechancen zeichneten sich bereits in diesem Alter ab.Im Mai 1994 bestand ich dann wohlverdient mein Abitur. Denn ich hatte wirklich Unmengen an Zeit dort mit Eisessen, Freistunden im Schwimmbad und Tetris spielen mit Dialogkabel verbracht. Meine Eltern warten wohl immer noch auf einen „blauen Brief“ von der Schule, in dem sie auf die Gefährdung meiner Versetzung aufmerksam gemacht werden.
Nach ausgiebigen Abiturfeiern ging's am 01.08.1994 mit meiner Ausbildung zur Versicherungskauffrau los. Es sollte mir den Ernst des Lebens zeigen und das tat es wohl auch. So sehr, dass ich meine Chefin nur noch loswerden wollte. Selbst ihre Familie konnte sie nicht ertragen. Wie sollte ich es dann 9 Stunden im Akkord? Deshalb legte ich mich ins Zeug und durfte nach meinem 1,7er Zeugnis meine Lehrzeit um ein halbes Jahr verkürzen.
Am 07. Januar 1997 hatte die Schikane dann ein Ende und dank meines Ehrgeizes konnte ich die 1 vor dem Komma, trotz 6 Monate verpassten Stoffes aufgrund der Verkürzung, halten.
Die Grundlage war geschaffen und ich wollte jetzt richtig Asche machen, Kohle scheffeln, Mäuse einsacken. In rauen Mengen, es dann speichern wie Dagobert Duck. Was bleibt einem da in der Versicherungsbranche übrig? Klar, Außendienst. Terminieren, Verträge verticken, Akquise ohne Ende…
Durch Erfolge im Verkauf wurden die Zielvorgaben aber jährlich immer weiter erhöht, die Wirtschaft ging aber gleichzeitig immer weiter in den Keller. Das Geld der Kunden wurde knapper und ich sträubte mich einfach wegen Konzernvorgaben 50-jährigen überzeugten Singles massenweise Lebensversicherungen anzudrehen.
Ich grübelte: Was kann ich denn? Was will ich? Woran habe ich Spaß?Ich kam zu der Überzeugung, dass meine absolute Stärke die Kommunikation ist. Reden kann ich, jawohl. Lang und ohne Ende…
Außerdem mochte ich immer schon Hörspiele…das war’s! Ich wollte zum Radio!! Doch von der Idee bis zur Umsetzung dauerte es dann doch einige Jährchen. Denn kontrolliertes Aussteigen will gelernt sein.
Ich startete meinen ersten Versuch mit einem Seminar beim WDR, einem Reportage-Seminar. Ich wollte Reisen, vielleicht im Ausland leben und von dort berichten. Allerdings war mein erstes Seminar ziemlich ernüchternd, denn außer Reden musste ich noch viel mehr. Ich musste die Reportagen strukturieren, mir passende Interviewpartner suchen und so weiter. Mit anderen Worten: Ich konnte außer Reden nix!
Natürlich waren meine vor Lampenfieber auftauchenden Bauchschmerzen auch nicht gerade förderlich.
Aber es war trotz allem GROSSARTIG. Das Gefühl mit einem Mikro irgendwo zu stehen war der Hammer.
Genau DAS wollte ich!
Deshalb kündigte ich meinen Job, verschaffte mir ein Praktikum bei einem privaten Radiosender und wusste direkt von Anfang an, dass Versicherung verkaufen nie so meine Leidenschaft hätte entfachen können, wie die Medienbranche.
Aber vor mir lag ein harter Weg, war ich doch inzwischen schon 28 Jahre und bei einigen Sendern gleich raus aus der Zielgruppe. Schade Viva, Eins Live und MTV! Ein wahrer Reigen an lustigen Stunden ist
euch mit mir „alten Dame“ damit durch die Lappen gegangen.
Ich schlug mich trotzdem durch. Nach meinem 1. Praktikum wurde ich freie Mitarbeiterin bei Radio Bielefeld. Nachdem ich meinen ersten weltweit bekannten Promi vor’m Mikro gehabt habe (ich finde nichts Verwerfliches André Rieu als absoluten Weltstar zu bezeichnen), war mein Ehrgeiz geweckt. Vorher kompromittierte ich Herrn Rieu aber mit solchen Fragen wie „Ihre Küche sieht toll aus, hat die Ihre Frau eingerichtet?“ oder „Man hört ja von Gruppen wie Take That, dass die Fans immer die wildesten Sachen auf die Bühne werfen. Was haben Sie denn so auf die Bühne geworfen bekommen?“, worauf Herr Rieu nur lachte und antwortete: „Sie meinen Unterwäsche?“...hielt sich den Bauch vor Lachen…“Ja, ich hatte auch schon mal ein Unterhose auf der Bühne. So ne große“ und breitete die Arme aus.
Stars als ganz normale Menschen zu erleben, finde ich toll.
Ich wollte mehr davon. In Bielefeld war Herr Rieu aber schon die Creme de la Creme und so wechselte ich nach Köln, um zu studieren und RTL als Praktikantin aufzumischen. In fast 2 Monaten begegnete ich Anke Engelke, die ich dazu überreden sollte ein Kondom über eine Banane zu ziehen (natürlich wollte sie nicht und es misslang), Helge Schneider, dem ich nur 2 brauchbare zusammenhängende und in einen Kontext passende Sätze entlocken sollte (auch das misslang!!) oder Dick Brave, der dank Gepäckverschüttung am Wiener Flughafen zum Sasha zurückmutierte, so dass auch das Interview scheiterte.
Trotzdem war RTL begeistert von mir und ich durfte weiterhin Promis interviewen, Nachrichten sprechen und sogar meine eigene Doku über die Renovierung meiner neuen Wohnung in Köln drehen. Sollte die Doku vorher nur für Guten Abend RTL in NRW geplant gewesen sein, so änderte sich das spätestens mit dem Schneiden des 1 Renovierungstages. Von 5 Teilen wurde die Doku 3 Mal „Maz des Tages“ (nach Schluss der Sendung stimmen die Mitarbeiter immer über den besten Beitrag des Tages ab) und wurde jetzt nicht nur in NRW ausgestrahlt, sondern sehr zu meinem Leidwesen in fast allen Bundesländern mit nur 2 Ausnahmen und noch zusätzlich bei Punkt 12. Sehr zu meinem Leidwesen, weil a) Fernsehen immer dicker macht und b) ich mich nicht sehr geschickt angestellt hatte bei den Renovierungsarbeiten. Eher trug ich zu einem Lehrbuch „So macht man es nicht“ bei!
Ich redete mir ein, dass von meinen Bekannten ja schließlich jeder arbeiten müsse und mich bestimmt keiner erkennen würde (bei meinem Lachpegel von gefühlten 280 Dezibel allerdings sehr unwahrscheinlich). Die 15 SMS, die ich nach der 1.Ausstrahlung bekam „He, hab Dich im Fernsehen gesehn“ raubten mir die Illusion jedoch schlagartig. Selbst mein Kumpel aus Budapest hatte es gesehen. So ging ich zurück zum Radio.Und da bin ich auch immer noch: Radio Bonn!
Aber inzwischen habe ich mich auch wieder vor die Kamera getraut und mein lautes Lachen als Wiedererkennungswert zu schätzen gelernt.Ein damaliger Trainer hat mir damals schon gesagt: Versuche nicht deine Schwächen abzubauen, sondern deine Stärken aufzubauen!!
Danke an Alle, die mir immer wieder zeigen, was meine Stärken und Schwächen sind!